MEINE GESCHICHTE
Mit 17 erkannte ich mein eigenes Gesicht nicht mehr.
Ein Unfall nahm einer Gesichtshälfte Bewegung und Gefühl. Beim Wiederaufbau entdeckte ich, dass Muskeltonus von innen wahrnehmbar und gezielt trainierbar ist.
Der Unfall und die Erinnerung
Silvester, 17 Jahre alt: Auf dem Heimweg verlor der Fahrer die Kontrolle über das Auto. Wir prallten gegen einen Baum. Ich trug keinen Sicherheitsgurt, flog in die Windschutzscheibe, und mein Gesicht wurde aufgerissen. Fünf Tage lang war ich blind.
Als ich die Augen wieder öffnen konnte, war mein Gesicht mit über 300 Stichen zusammengenäht. Ich war 17 und erkannte mich selbst nicht mehr.
04 Etappen
Mein Weg zurück
Der Satz, gegen den ich zu trainieren begann
Ein Arzt sagte es sachlich: Wenn sich das Gesicht nach einem Jahr nicht wieder bewege, gebe es kaum Hoffnung auf spätere Bewegung. Dieser Satz blieb an mir hängen wie ein Etikett. Die rechte Gesichtshälfte hing und reagierte nicht mehr wie zuvor.
Ich begann mit dem, was ich noch fühlen konnte
Ich stellte mich vor den Spiegel und übte, obwohl am Anfang nichts passierte. Links konnte ich fühlen, was rechts stumm blieb. Wenn ich diese innere Empfindung auf der rechten Seite nachbildete, begann Bewegung. Langsam. Schwach. Aber sie war da.
Es dauerte mehr als zwei Jahre konsequenter Arbeit, bis ich genug Funktion zurückgewonnen hatte, um wieder normal zu leben.
Muskeltonus wurde zu präziser Information
Wenn man sein eigenes Gesicht von innen heraus wieder aufbaut, wird Muskeltonus zu präziser Information. Ich bemerkte, dass ich Spannung nicht nur sehen, sondern körperlich nachvollziehen konnte. Daraus entstanden neue Fragen:
- Welche Muskelspannung bleibt in Kiefer, Augen und Mund sichtbar?
- Welche Charaktereigenschaft zeigt sich in diesem Muskeltonus?
- Stimmen Tonus, Worte, Stimme und Körper miteinander überein?
Aus der Erfahrung wurde eine Forschungsfrage
Ich studierte breit: Medizin, Psychologie, menschliches Verhalten – weil ich nicht nach einer einzelnen Disziplin suchte. Ich suchte das fehlende Bindeglied zwischen Biologie, Wahrnehmung und sozialem Missverstehen.
Nun wollte ich herausfinden, ob sich das, was ich wahrnahm, bei vielen Menschen eindeutig unterscheiden, wiederholen und vermitteln lässt.
DIE FORSCHUNGSKORREKTUR
Eine falsche Erklärung machte die Methode präziser.
Die Grundcharaktereigenschaften waren in meiner Forschung schnell klar und liessen sich wiederholt bestätigen. Doch an einer Gruppe von Menschen kam ich immer wieder nicht weiter.
Sie waren freundlich, unterstützend, schnell begeistert und wirkten ehrlich. Trotzdem erzählten sie ausweichende Geschichten, die oft sehr unwahrscheinlich waren.
Dieselbe Erfahrung tauchte bei anderen wieder auf
Nicht nur ich erlebte das mit Mitarbeitenden. Auch Teilnehmende meiner Forschung erzählten mir von freundlichen, unterstützenden Menschen und ihren kaum glaubhaften Geschichten.
Die Zeichen des Lügens fehlten
Zuerst suchte ich nach den Zeichen des Lügens. Doch obwohl die Geschichten unwahrscheinlich wirkten, zeigte sich das erwartete Muster nicht.
Mythomanie erklärte den Widerspruch
Nach langer Forschung und einem glücklichen Zufall erkannte ich die fehlende Unterscheidung. Die Geschichten übertünchten eigene Schwächen und sollten verhindern, jemanden zu enttäuschen. Es war nicht dieselbe Form von Täuschung, nach der ich zuvor gesucht hatte.
Die neue Unterscheidung musste sich wiederholen lassen
Ich isolierte den dazugehörigen Muskeltonus und reproduzierte ihn in genügend unterschiedlichen Situationen. Testläufe und viele weitere Erfahrungen bestätigten das Muster.
Präzision verlangt die Korrektur der eigenen Annahme
Eine Erklärung wird nicht richtig, weil sie überzeugend klingt. Scientific bedeutet, zu beobachten, Bedeutungen zu prüfen und eine Annahme zu korrigieren, bis auch der schwierige Widerspruch verständlich wird.
Aus dieser Arbeit entstand eine lehrbare Methode: In der Face-Reading-Ausbildung lernst du, den Muskeltonus deines Gegenübers in Kiefer, Augen und Mund als Landkarte des Charakters zu lesen und 24 Charaktereigenschaften präzise wahrzunehmen.
